Kurz: Drei Blöcke — Bau (einmalig), Betrieb (Modellkosten pro Aufruf plus Hosting) und Wartung (laufend, wird fast immer vergessen). Der Betrieb ist bei begrenzten Aufträgen meist der kleinste Posten: Zwei vollständige Software-Aufträge in meinem Betrieb kosteten 52 und 114 US-Dollar an Modellkosten. Teuer wird es durch unbegrenzte Schleifen und durch Wartung, die niemand eingeplant hat.
Die drei Kostenblöcke
| Block | Was drinsteckt | Wann es teuer wird |
|---|---|---|
| Bau | Prozess aufnehmen, Grenzen festlegen, Anschluss an CRM/Kalender/Datenbank, Prüfschritt, Übergabe | wenn der Vorgang nicht beschrieben ist — dann zahlt man die Klärung als Entwicklung |
| Betrieb | Modellkosten pro Aufruf, Hosting, Speicher, Überwachung | Agent ohne Schrittgrenze; ganze Dokumente in jedem Aufruf mitgeschickt |
| Wartung | Schnittstellen ändern sich, Formulare ändern sich, Abläufe ändern sich | wenn niemand zuständig ist — dann stirbt es leise und war komplett verloren |
Die häufigste Fehlkalkulation ist nicht ein zu hoher Bau-Preis, sondern ein Angebot ohne dritten Block. Eine Automatisierung ohne Wartung ist innerhalb eines Jahres tot, und dann war der Bau umsonst.
Was die Modellkosten treibt
Abgerechnet wird bei allen großen Anbietern pro Token — grob ein Wort mal eineinhalb —, getrennt nach dem, was hineingeht, und dem, was herauskommt. Fünf Treiber entscheiden über die Rechnung:
- Kontextlänge. Wer bei jedem Aufruf das ganze Handbuch mitschickt, zahlt es bei jedem Aufruf.
- Modellwahl. Zwischen kleinem und großem Modell liegt oft ein Vielfaches. Sortieren, Erkennen und Zuordnen kann das kleine.
- Zahl der Schritte. Ein Agent, der zehnmal nachdenkt, kostet zehn Aufrufe. Ohne Schrittgrenze ist die Rechnung offen.
- Caching. Wiederkehrende Anweisungen lassen sich zwischenspeichern — der größte einzelne Spareffekt, und er wird kaum genutzt.
- Ausgabelänge. Ausgabe ist teurer als Eingabe. Eine feste, knappe Ausgabeform verlangen.
Gemessen in meinem Betrieb: Das Software-Fließband — Spezifikation, Bau, Tests, unabhängiges Review — kostete für zwei vollständige Aufträge 52 und 114 US-Dollar. Beides waren Aufträge mit klaren Abnahmekriterien und Schrittgrenze. Genau das ist der Unterschied zwischen einer Rechnung, die man nennen kann, und einer offenen Rechnung.
Drei Fälle, damit die Größenordnung greifbar wird
Fall 1: Eine Kette ohne Modell
Formular → CRM-Eintrag → Bestätigungsmail → zwei Erinnerungen vor dem Termin. Kein Sprachmodell nötig. Der Betrieb kostet fast nichts, der Bau ist Tage-Arbeit. Das ist der Fall, der als „KI-Agent“ verkauft wird und keiner ist — er ist trotzdem oft der mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis.
Fall 2: Sprachmodell im Ablauf
Eingehende Mails einsortieren, zusammenfassen, Antwortentwurf anlegen; ein Mensch sendet. Kosten pro Fall im Cent-Bereich, solange nur die Mail mitgeschickt wird und nicht das halbe Archiv. Hier entscheidet die Disziplin beim Kontext über die Rechnung.
Fall 3: Echter Agent mit Werkzeugen
Recherche über mehrere Quellen, Vergleich, Ergebnis in die Datenbank, Bericht. Mehrere Aufrufe pro Fall, dazu Hosting und Überwachung. Das ist die Stufe, auf der eine Schrittgrenze und ein Ausgabeformat nicht Komfort sind, sondern Kostenkontrolle.
Wie ich selbst Preise mache
Zwei Beispiele aus meinem Betrieb, damit nachvollziehbar ist, wie ein Angebot aussehen kann:
- Produktisiertes Angebot: Website samt Anschluss für Gastronomiebetriebe zu 799 € einmalig plus 49 € im Monat. Fester Preis, feste Leistung, laufender Betrieb enthalten — weil der Vorgang standardisiert ist und ich ihn hundertfach gebaut habe.
- Einzelprojekt: Preis nach Aufnahme des Prozesses, nicht vorher. Wer ohne Prozessaufnahme eine Zahl nennt, rät — und rechnet den Aufschlag für sein Risiko mit ein.
Woran man ein schlechtes Angebot erkennt
- Keine Abnahmekriterien. Wenn nicht schriftlich steht, was „fertig“ bedeutet, wird über Gefühle abgerechnet.
- Kein Wort zu Betriebskosten. Wer nicht sagt, was der Monat kostet, hat es nicht gerechnet.
- Keine Wartung im Plan. Siehe oben — das ist der Posten, an dem Projekte sterben.
- Alles in einem Paket. Sechs Automatisierungen gleichzeitig heißt sechsfaches Risiko. Eine zuerst, live, gemessen.
- Umsatzversprechen. Wer dir sagt, was du mit einem Agenten verdienen wirst, verkauft keine Software.
Und die Frage, die ich selbst zuerst stelle: Welche Zahl soll sich bewegen? Ohne Antwort baue ich nicht — nicht aus Prinzip, sondern weil sich hinterher niemand einig wird, ob es funktioniert hat.
Häufige Fragen
Was kostet ein KI-Agent im Monat?
Der Monat besteht aus Modellkosten pro Aufruf, Hosting und Wartung. Bei einer Regelkette ohne Sprachmodell ist er fast null, bei einem Sprachmodell im Ablauf liegen die Kosten pro Fall im Cent-Bereich, bei einem echten Agenten mit mehreren Schritten entsprechend höher. Ohne Schrittgrenze ist die Rechnung offen — das ist die wichtigste einzelne Stellschraube.
Einmalig oder monatlich bezahlen?
Beides ist üblich und beides ist in Ordnung, solange es getrennt ausgewiesen ist: Bau einmalig, Betrieb und Wartung monatlich. Ein Angebot ohne monatlichen Posten ist kein günstiges Angebot, sondern ein unvollständiges.
Ist es günstiger, den Agenten selbst zu bauen?
An Geld ja, an Zeit meist nicht. Der Bau ist heute der kleine Teil; teuer sind Prozessaufnahme, Prüfschritt und Wartung. Selbst bauen lohnt sich, wenn man den Prozess selbst am besten kennt und bereit ist, Betreiber zu bleiben.
Warum liegen Angebote für KI-Agenten so weit auseinander?
Weil unter demselben Wort drei verschiedene Dinge verkauft werden: eine Regelkette, ein Sprachmodell im Ablauf oder ein Agent mit Werkzeugen und Rechten. Dazu kommt, ob Prüfschritt und Wartung enthalten sind. Erst diese Einordnung macht Angebote vergleichbar.
Rechnet sich ein KI-Agent bei kleinem Umsatz?
Der Hebel ist Wiederholung, nicht Umsatz. Unter etwa zehn Wiederholungen im Monat ist Handarbeit billiger. Darüber rechnet es sich auch in kleinen Betrieben — dann aber als einzelner Handgriff, nicht als Plattform.
Was kostet die Prozessaufnahme?
Sie ist bei mir Teil des Bau-Blocks und typischerweise der größere Teil davon. Wer mit einer fertigen Beschreibung kommt — Eingabe, Entscheidung, Ausgabe, Ausnahmen — macht das Projekt deutlich günstiger, weil dann nur noch gebaut wird.
Mario De Luca Ich baue Vertriebssysteme und KI-gestützte Software für Unternehmen und bin Gründer des Clone Looping System (CLS). Alle Zahlen in diesen Texten stammen aus eigenen Projekten — nicht aus Studien. Was ich nicht selbst gemessen habe, steht als Einschätzung da. Mehr über mich
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