Journal · Systeme · 9 Min

Mario De Luca über ESIS: Warum ich mit 22 ein KI-Betriebssystem für meine Firma gebaut habe

ESIS ist kein Chatbot und kein Abo, das ich irgendwo gebucht habe. Es ist das Betriebssystem meiner Firma: ein Mac mini im Büro, der zuhört, mitschreibt, erinnert und Software baut. Hier erkläre ich, warum ich das gebaut habe, wie es arbeitet und was ich dabei gelernt habe.

Von · 13.10.2026

Kurz: ESIS läuft auf einem Mac mini in meinem Büro. Es liest in den WhatsApp-Gruppen meines Teams nur mit, schreibt jeden Abend einen Tagesbericht, meldet neue Leads sofort, fasst die Kalenderlage zusammen und greift dabei auf ein gemeinsames Firmengedächtnis zu. Dazu hat es ein eigenes Entwickler-Team aus KI-Agenten, das Software baut. Die Stimme läuft lokal.

Warum ich überhaupt ein Betriebssystem brauchte

Ich bin kein Informatiker, der aus Spaß an der Technik angefangen hat. Ich komme aus dem Vertrieb, und ich habe mit 18 viermal hintereinander nichts aufgebaut: Dropshipping, Trading, Memecoins, eine eigene Modemarke. Was ich davon mitgenommen habe, steht ausführlicher in meinem Text über die vier gescheiterten Versuche. Die kurze Version: Ich habe Taktiken gesammelt statt Systeme gebaut. Jede neue Idee war ein neuer Trick, und jeder Trick hing an mir.

Als die Firma wuchs, kam dasselbe Problem in einer neuen Form zurück. Die Informationen lagen überall: in Chats, im Kalender, in Notizen, in Köpfen. Wer hat welchen Interessenten angeschrieben? Was ist heute passiert? Welcher Termin steht morgen, und was muss ich vorher wissen? Ich habe angefangen, meinen Tag mit Suchen zu verbringen. Das ist der Moment, an dem man entweder mehr Leute einstellt, die suchen, oder ein System baut, das gar nicht erst suchen lässt.

Ich habe mich für das System entschieden. Nicht, weil Menschen ersetzbar wären, sondern weil Menschen für Gespräche da sein sollen und nicht für Copy-and-paste.

Was ESIS ist – und was nicht

ESIS ist ein dauerhaft laufender Rechner, ein Mac mini im Büro, auf dem mehrere Dienste zusammenarbeiten. Gebaut habe ich es mit Claude und Claude Code. Der Unterschied zu einem Chatfenster: Ein Chat wartet, bis jemand fragt. ESIS arbeitet, ohne dass jemand fragt, und meldet sich, wenn etwas wichtig ist.

Was es nicht ist: ein Mitarbeiter, der Entscheidungen trifft. ESIS bereitet vor, fasst zusammen und erinnert. Entschieden wird von Menschen.

Was ESIS jeden Tag macht

1. Mitlesen, nur lesend

ESIS ist in den WhatsApp-Gruppen meines Teams dabei – lesend. Es schreibt dort nicht im Namen von irgendwem, es mischt sich nicht in Gespräche ein. Das war eine bewusste Entscheidung: Ein Team, das das Gefühl hat, eine Maschine redet dazwischen, schreibt irgendwann woanders. Dann ist das Wissen wieder weg.

2. Ein Tagesbericht, den niemand von Hand schreibt

Am Abend fasst ESIS zusammen, was über den Tag passiert ist. Nicht als Roman, sondern als das, was ich morgens wissen muss: was erledigt ist, was offen ist, wo etwas hängt. Was von Hand gemessen werden muss, wird erfahrungsgemäß irgendwann nicht mehr gemessen. Was von selbst kommt, wird gelesen.

3. Neue Leads sofort melden

Wenn ein Interessent hereinkommt, meldet ESIS das sofort. Im Vertrieb entscheidet Geschwindigkeit, ob jemand noch warm ist oder schon beim Nächsten. Das Gespräch selbst führt ein Mensch – dazu mehr in meinem Text über Emotion im Vertrieb.

4. Die Kalenderlage auf einen Blick

Welche Termine stehen an, was ist neu dazugekommen, was ist verschoben? ESIS fasst das zusammen, damit niemand fünf Kalender aufmachen muss, um zu wissen, wie der Tag aussieht.

5. Ein Gedächtnis, das nicht kündigt

Der Kern ist das, was ich das „Brain“ nenne: eine Wissensbasis in Obsidian, die als Firmengedächtnis dient. Entscheidungen, Abläufe, Erkenntnisse, Projektstände. ESIS greift darauf zu, wenn es zusammenfasst oder antwortet. Der Gedanke dahinter ist simpel: Wissen, das nur in einem Kopf liegt, geht mit diesem Kopf in den Urlaub. Wissen, das im Gedächtnis der Firma liegt, bleibt.

Das Entwickler-Team aus Agenten

Der Teil, der Leute am meisten überrascht: ESIS hat ein eigenes Entwickler-Team aus KI-Agenten, das Software baut. Ich beschreibe, was gebraucht wird, die Agenten setzen es um, und am Ende entscheidet ein Mensch, ob es so bleibt. Was ein solcher Agent ist und was er im Unternehmen leisten kann, habe ich in KI-Agenten für Unternehmen ausführlich aufgeschrieben.

Ich habe gemessen, was das kostet. Zwei Software-Aufträge, die das Team abgearbeitet hat, lagen bei 52 und 114 US-Dollar Modellkosten. Das ist keine Aussage darüber, was jede Software kostet – Umfang und Anspruch entscheiden alles. Aber es zeigt die Größenordnung, in der sich Bauen inzwischen bewegt, und es ist der Grund, warum ich Kosten pro Auftrag messe statt zu schätzen. Mehr dazu, wie man solche Kosten ehrlich rechnet, steht in Was kostet ein KI-Agent.

Warum die Stimme lokal läuft

ESIS hat eine Stimme, und die läuft lokal auf dem Rechner. Das hat zwei Gründe. Erstens: Was in einer Firma gesprochen wird, gehört in die Firma. Je weniger Daten das Haus verlassen müssen, desto weniger muss man erklären, absichern und hoffen. Zweitens: Ein System, das von außen abhängt, fällt aus, wenn außen etwas ausfällt. Wo es vernünftig geht, baue ich deshalb lokal.

Drei Entscheidungen, die ich wieder so treffen würde

  • Lesen statt schreiben. ESIS beobachtet und meldet, es redet nicht im Namen von Menschen. Vertrauen im Team ist wichtiger als ein Automatisierungsgrad auf dem Papier.
  • Ein Gedächtnis statt zehn Ablagen. Alles, was wichtig ist, landet an einer Stelle. Zehn halb gepflegte Tools sind schlechter als eine Wissensbasis, die wirklich benutzt wird.
  • Eigenes statt Abo-Sammlung. Ich verstehe jedes Teil, weil ich es gebaut habe. Wenn etwas hakt, weiß ich, wo ich suchen muss.

Was ich dabei gelernt habe

Die wichtigsten Lektionen waren nicht technisch. Die erste: Mehr Meldungen sind nicht mehr Überblick. Ein System, das ständig etwas sagt, wird irgendwann ignoriert. Ein gutes System sagt wenig – aber dann etwas, das zählt. Das zu treffen ist schwieriger, als irgendeine Schnittstelle anzubinden.

Die zweite: Ein Gedächtnis ist nur so gut wie seine Pflege. Wenn niemand Entscheidungen festhält, kann auch die beste KI sie nicht wiederfinden. Die Maschine nimmt mir das Tippen ab, nicht das Denken.

Die dritte: Automatisierung ohne Messung ist Hoffnung. Erst seit ich nachrechne, was ein Auftrag kostet und was er spart, weiß ich, welche Teile sich lohnen und welche nur gut aussehen. Wer tiefer in dieses Thema will, findet die Grundlagen in KI-Automatisierung.

Für wen so etwas Sinn ergibt

Ein eigenes Betriebssystem lohnt sich nicht für jeden. Es ergibt Sinn, wenn ein Team über Chats arbeitet, wenn Informationen verstreut liegen und wenn der Chef mehr sucht als entscheidet. Es ergibt keinen Sinn, wenn es noch gar keine wiederholbaren Abläufe gibt – dann automatisiert man Chaos.

Für Unternehmen, die so etwas nicht selbst bauen wollen, gibt es NextCore: Dort bauen und betreiben wir KI-Agenten und Automationen für Firmen, als Projekt und mit monatlicher Betreuung. Wer lieber selbst baut, findet im Text über das Clone Looping System den Weg, den ich dafür beschreibe.

Warum mit 22

Mein Vater ist über 60 und arbeitet noch. Er hat in Deutschland ohne Deutschkenntnisse ein Eiscafé aufgebaut, das andere aus Neid zerstört haben, und danach haben meine Eltern beide Vollzeit gearbeitet. Ich baue, damit er aufhören kann. Das ist der ganze Grund, warum ich nicht auf den richtigen Moment warte. Ein System, das Zeit freimacht, ist für mich nicht Spielerei – es ist der kürzeste Weg dahin.

ESIS ist dabei nicht das Ende, sondern das Fundament. Darauf baut auch Jarvis, mein eigener KI-Klon, auf.

Mario De Luca

Mario De Luca Ich bin Mario De Luca, 22, Gründer und Systembauer aus dem DACH-Raum, und baue mit NextCore KI-Agenten und Automationen für Unternehmen. Im Journal schreibe ich darüber, was ich baue, warum, und was dabei schiefgeht. Mehr über mich · Alle Journal-Texte

Selbst bauen statt kaufen?

Im Clone Looping System zeige ich, wie man einen eigenen KI-Klon baut und Schritt für Schritt einsetzt – als Ablauf zum Ausführen, nicht als Kurs zum Konsumieren.

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